1. Zielsetzung der Dissertation
Der Beginn für die Definition einer wissenschaftlichen Forschungsfrage kann vielfältig sein. Im vorliegenden Fall entstand die Aufmerksamkeit durch den vergleichsweise gering ausgeprägten Forschungsstand des Preismanagements für die Bankbranche, im Vergleich zu anderen Industrien.
Das Privatkundengeschäft der Banken hat besondere Eigenschaften hinsichtlich des breiten und in den Leistungsattributen unterschiedlichen Produktspektrums und der besonderen Beziehung zum Kunden. Durch die Nichtgreifbarkeit und die wahrgenommene Komplexität hat der Preis eine spezielle, zwischen den Leistungsangeboten differenziert ausgeprägte Rolle.
In Anlehnung an die analysierten Forschungsdefizite wird folgende, übergeordnete Forschungsfrage definiert:
Wie ist das Preismanagement (im Retail Banking und Private Banking) im Passiv- und Dienstleistungs- geschäft der Banken aktuell im Markt ausgestaltet und wie unterstützt das Preismanagement die Erreichung der angestrebten taktischen und strategischen Ziele der Banken?
Das Forschungsgebiet umfasst das Preismanagement im Privatkundengeschäft der Banken in Deutschland, Österreich und der Schweiz für das Passiv- und Dienstleistungsgeschäft. Der Fokus der Untersuchung liegt auf Banken mit Filialvertrieb bzw. persönlicher vor-Ort-Betreuung und deren Kernleistungen.
Als Value Added der Arbeit für Wissenschaft und Praxis sind folgende Punkte geplant:
- Empirische Überprüfung und Analyse der Wirkung der Aktivitäten und Entscheidungen im Preis-
management der Banken auf die zentralen Ziele im Privatkundengeschäft
- Untersuchung und Darstellung des Status Quo der Branche im Preismanagement für das Passiv-
und Dienstleistungsgeschäft
- Systematisierung und Diskussion der Gestaltungsansätze und Preisstrategien und deren
Wirkung auf die Zielhyrarchie der Banken (unter Beachtung differenzierter Kundensegmente) sowie Integration der bankinternen, kundenseitigen und wettbewerbsbedingten Aspekte im Preismanagementprozess
2. Theoriebezug und Forschungsinhalte
Um sich der Beantwortung der übergeordneten Forschungsfrage zu nähern sind drei Kernfragestellungen ausgearbeitet worden:
Die Arbeit soll einen Beitrag zur Preismanagement-Forschung liefern. Es handelt sich hierbei um die Verhaltensweisen der Institutionen, insb. bezüglich Preisentscheidungen und -prozesse. Dies ist abzu- grenzen von der Behavioral Pricing-Forschung. Dennoch bilden die Resultate der Behavioral Pricing- Forschung und deren Theorien neben der mikroökonomischen Preistheorie und Ergebnisse der viel- schichtigen Preismanagement-Forschung, wichtige Bezugspunkte der Arbeit.
Zur Beantwortung der erarbeiteten Kernfragestellungen ist die Arbeit in zwei Teile aufgeteilt. Der erste Teil bearbeitet mit Bezug auf einzelne (offene) Detailforschungsfragen die Systematisierung und den Status Quo des Bankpreismanagements mit folgenden Kernbestandteilen:

Der zweite Teil ist durch das hypothetisch-deduktive Vorgehen gekennzeichnet. Es wird die Zielwirkung (Erfolgswirkung) des Bankpreismanagements auf zentrale Ziele der Banken im Privatkundengeschäft überprüft. Auf Basis des ersten Teils der Arbeit (Theorie und qualitative Interviews) sind Hypothesen mit Konstrukten für die Gestaltungsmöglichkeiten des Bankpreismanagements und zur Messung des Erfolgs unterschiedlicher Ziele (z.B. Neukundengewinnung, Höhe der Passiveinlagen) konzipiert worden. Hierbei ist zu beachten, dass die Entscheidungen innerhalb eines - mehr oder weniger stark gelebten - Preis-managementprozesses getroffen werden, wodurch die Wirkung beeinflusst wird.

Grundbestandteile des Preismanagenmentprozesses: Grundlegend, verschiedenfach in der Literatur zu finden, siehe z.B. Wübker, Niemeyer, Kraus: Professionelles Preismanagement für Sparkassen (2009), S. 106
Für die Überprüfung der Hypothesen werden mehrere Strukturgleichungsmodelle (structural equation modelling) eingesetzt. Zur Sammlung der notwendigen Daten wird die hier präsentierte Befragung durchgeführt.
3. Forschungsmethoden
Für die Erreichung der angestrebten Ziele werden im Kern folgende Methoden eingesetzt:

4. Vorgehen
Die Bearbeitung der Dissertation startete im Herbst 2007. Aufbauend auf einer Phase der Orientierung und grundsätzlichen Definition von Forschungsziel, Untersuchungsgegenständen und Methoden folgte eine Voranalyse (Literatur und qualitative Interviews), eine inhaltliche Detailplanung sowie die Validierungs- phase. Aktuell wird die schriftliche Befragung und eine Aufnahme von Preislisten durchgeführt. Der Ab- schluss der Arbeit ist für das I. Quartal 2010 geplant.

5. Qualität der Forschung
Die Qualität der Forschung wird an der Johannes Kepler Universität Linz im Rahmen des Doktorats- studiums durch die laufende Abstimmung mit dem Betreuer und dem Einsatz von Kolloquiumspräsen- tationen zur Präsentation, Diskussion und Supervision des wissenschaftlichen Gehalts der Dissertation mit der stufenweisen Ergebniskontrolle, sichergestellt . Des Weiteren bestehen Richtlinien zur Sicherung der guten wissenschaftlichen Praxis.
|